Der Beruf des Beton- und Stahlbetonbauers entwickelte sich nach der Erfindung des Stahlbetons gegen Ende des 19. Jahrhunderts zuerst in Amerika und wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bei uns ein Ausbildungsberuf.
Betonbauer (Kurzform) werden in den folgenden Baubereichen beschäftigt : – Hochbau (z.B. Wohnungs-, Verwaltungs- und Gewerbebau)
-Brückenbau
-Straßen- und Tiefbau
-Spezialbau (Turmbau, Ingenieurbauwerke,…)
In allen Bereichen haben die Betonbauer vor allem folgende Aufgaben : – Die Form für den Beton herzustellen = Schalen – Bewehrungsstäbe und –matten in die Schalung einzulegen damit der Beton tragfähiger wird = Bewehren – Beton herzustellen und fachgerecht in die Schalung einzubringen = Betonieren
Nach dem Erhärten des Beton nehmen Sie die Schalung ab. Sie bearbeiten die Betonoberflächen nach gestalterischen Gesichtspunkten. Sie montieren auch Betonfertigteile, übernehmen das Abdichten, Dämmen und Isolieren von Betonbauwerken und führen die Sanierung von Schäden im Beton und Stahlbeton an Bauwerken durch. Sie planen ihre Arbeiten unter Berücksichtigung der Anforderungen von Arbeitssicherheit und Umweltschutz.
Eingangsqualifikationen
Zu den Fertigkeiten, die man für diesen Beruf mitbringen sollte, gehören handwerkliches Geschick sowie technisches und physikalisches Verständnis. Die erforderlichen materialspezifischen und sonstigen fachlichen Kenntnisse werden im Rahmen der Berufsausbildung vermittelt. Ein bestimmter Schulabschluss ist keine Voraussetzung.
Kompetenzen
Auf Basis der Ausbildungsordnung sowie der Auswertung von Stellen- und Bewerberangeboten ist nachfolgend eine Auswahl der wichtigsten berufsbezogenen Kompetenzen und Fertigkeiten aufgelistet.
Kernkompetenzen, die man während der Ausbildung erwirbt:
Betonieren – Eisenflechten, Bewehrungen herstellen – Oberflächen behandeln, veredeln – Schalungsarbeiten – Betonprüfung – Herstellen von Betonfertigteilen
Weitere Kompetenzen, die für die Ausübung dieses Berufs bedeutsam sein können:
Abdichten (Hoch- und Tiefbau) – Arbeitsvorbereitung – Aufmaß – Baugeräteführung, Baumaschinenführung – Baustelleneinrichtung – Betonmischen – Betonsanierung – Gerüstbau – Treppenbau
Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten
Nach erfolgreichem Abschluss des Ausbildungsberufs Beton- und Stahlbetonbauer sowie entsprechender Praxiserfahrung kann man sich qualifizieren: zum Vorarbeiter, Werkpolier, Geprüften Polier, Bautechniker oder Meister im Betonbauerhandwerk. Nach Erwerb der Fachhochschulreife oder der Meisterprüfung besteht außerdem die Möglichkeit, ein Fachhochschulstudium oder Universitätsstudium Richtung Architektur oder Bauingenieurwesen aufzunehmen.
Ausbildungsdauer
Die Ausbildung zum Beton- und Stahlbetonbauer endet nach drei Ausbildungsjahren mit der Gesellenprüfung.
Der Beruf wird ohne Spezialisierung nach Fachrichtungen oder Schwerpunkten in Industrie und Handwerk angeboten.
Die Ausbildung (bei der IHK) kann in zwei Stufen erfolgen. Nach Abschluss der 1. Stufe (2 Jahre) Hochbaufacharbeiter/in wird in der 2. Stufe (1 Jahr) der Berufsabschluss Beton- und Stahlbetonbauer/in erworben. (Bei der HWK wird nach 3 Jahren der Berufsabschluss Beton- und Stahlbetonbauer/in erworben.)
Je nach Schulabschluss kann die Ausbildungszeit auf 2 oder 2,5 Jahren verkürzt werden.
Die Ausbildung der Beton- und Stahlbetonbauer erfolgt wie bei vielen Bauberufen im „Dualen System“. Das bedeutet, dass es neben der Ausbildung im Betrieb noch zwei weitere Ausbildungs- und Lernorte gibt: den Lehrbauhof für die fachpraktische Ausbildung Die Berufsschule für die zur beruflichen Ausbildung gehörende Theorie
Lehrbauhöfe Wird ein Ausbildungsvertrag mit einem Handwerksbetrieb abgeschlossen, dann befinden sich die Lehrbauhöfe in den einzelnen Kreisen Coesfeld, Steinfurt und Warendorf, sowie in den Städten Münster und Rheine. Wird ein Ausbildungsvertrag mit einem Industriebetrieb der Industrie- und Handelskammer Münster abgeschlossen, dann befindet sich der Lehrbauhof (ABZ) in Hamm.
1. Ausbildungsjahr: 17 Wochen überbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen
2. bzw. 3. Ausbildungsjahr: 11 bzw. 4 Wochen überbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen
Am Wilhelm-Emmanuel-von-Ketteler-Berufskolleg wurde eine Bezirksfachklasse für Beton- und Stahlbetonbauer eingerichtet. Deshalb besuchen alle auszubildenden Betonbauer – wenn sich ihre Ausbildungsbetriebe in den Kreisen Coesfeld, Steinfurt, Warendorf oder der Stadt Münster befinden – dieses Berufskolleg.
Der Berufsschulunterricht für die Betonbauer findet in Blockform statt. Das bedeutet, im 1. Ausbildungsjahr – ca. 14 Wochen Berufsschule 2. Ausbildungsjahr – ca. 12 Wochen Berufsschule 3. Ausbildungsjahr – ca. 10 Wochen Berufsschule
Ziel des Unterrichts ist es, die theoretischen Grundlagen zu vermitteln, die das spätere Berufsleben erfordert.
Im Einzelnen bedeutet das (Auswahl): umfassende Kenntnisse über Betonbaustoffe, um deren Auswahl und Verarbeitung richtig einschätzen zu können. (z. B.: Zement, Betonstahl)
Baukonstruktionen, insbesondere deren Tragverhalten und bauphysikalischen Eigenschaften. (z. B.: Fundamente, Stahlbetonbalken)
Fähigkeit, bautechnische Zeichnungen zu lesen und anzufertigen, da dies die wichtigste Kommunikationsform im Bauwesen ist.
Anwendung der Technischen Mathematik in allen bautechnologischen Bereichen. Sie ist eine der Voraussetzungen für selbstständiges, kompetentes Handeln im Beruf.
Der Unterricht erfolgt handlungsorientiert, was heißt, dass möglichst viele Unterrichtsinhalte in Projekte eingebettet werden. Diese Projekte entsprechen den Aufgabenstellungen, die der Betonbauer in seiner Berufspraxis auch zu lösen hat.
In Absprache mit den Lehrbauhöfen wird die Durchführung und Auswertung von den Frisch – und Festbetonprüfungen im schuleigenem Baustofflabor durchgeführt.
Der schulische Teil der Ausbildung wird auch weiter ergänzt durch Exkursionen zu fachlich interessanten Baustellen, Fertigteilwerken und Baumessen.
Die Zwischenprüfung erfolgt am Ende des 2. Ausbildungsjahres. Dabei muss ein schriftlicher und praktischer Teil bearbeitet werden. Die schriftliche Prüfung besteht aus drei Teilbereichen:
– Schwerpunkt Beton- und Stahlbetonarbeiten (Zeit: 90min.; Gewichtung: 40%)
– Bauwerke im Hochbau (Zeit: 90min.; Gewichtung: 40%)
– Wirtschafts- und Sozialkunde (Zeit: 45min.; Gewichtung: 20%)
Im praktischen Teil fertigt der Auszubildende ein Werkstück z.B. Herstellen einer Schalung mit Bewehrung für Unterzüge.
Die Ausbildung endet mit der Abschlussprüfung bzw. Gesellenprüfung. Dabei muss ein schriftlicher und praktischer Teil bearbeitet werden. Die schriftliche Prüfung besteht aus drei Teilbereichen:
– Bauteile aus Beton- und Stahlbeton (Zeit: 150min.; Gewichtung: 50%)
– Baukörper aus Steinen (Zeit: 100min.; Gewichtung: 30%)
– Wirtschafts- und Sozialkunde (Zeit: 60min.; Gewichtung: 20%)
Im praktischen Teil fertigt der Auszubildende ein Werkstück z.B. Herstellen einer Schalung mit Bewehrung für Stahlbetonstützen mit Unterzügen.
Weitere Informationen zum Beruf
Info der Bundesagentur für Arbeit
Mindener Straße 11
48145 Münster
Tel.: 0251/392905-0
Fax: 0251/392905-28
Montag bis Donnerstag
07.30 bis 12.00 Uhr und
12.45 bis 15.00 Uhr
Freitag
07.30 bis 13.00 Uhr