Als Betriebsassistentin in Finnland eine APP für Europa entwickeln

Für Auszubildende im Handwerk wird am Wilhelm-Emmanuel-von-Ketteler-Berufskolleg in Münster die Zusatzqualifizierung „Betriebsassistent*in im Handwerk“ angeboten und von vielen Interessierten angenommen. Es handelt sich um eine Maßnahme, die von der Handwerkskammer Münster ausdrücklich unterstützt wird und in der besonders engagierte Jugendliche bereits während ihrer beruflichen Erstausbildung den Teil III der Meisterprüfung (kaufmännischer Teil) sowie ein Zertifikat im Bereich Englisch für das Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung erwerben können.

LENA PÖPPELMANN, Auszubildende zur Zweiradmechatronikerin, Fachrichtung Fahrradtechnik sowie Teilnehmerin an der Zusatzqualifikation berichtet von einem außergewöhnlichem Erlebnis…

 

„Als sich mir Mitte 2018 die Möglichkeit bot, an dem von der Europäischen Union finanziell geförderten Erasmus+ Projekt „YEUGO – Work APPlication for Europe II“ teilzunehmen, musste ich sie einfach ergreifen. Das Ziel, gemeinsam mit 12 finnischen und 12 estnischen SchülerInnen eine App zu entwickeln reizte mich, denn was steht mehr für Fortschritt und Entwicklung als das Internet? Andere Kulturen kennenlernen, das Englisch aufpolieren und gemeinsam etwas zu erschaffen – ein Jackpot!

Nachdem wir uns bei dem Besuch der Finnen und Esten in Deutschland im Frühjahr 2019 untereinander gut kennen lernen konnten und unter der Anleitung des professionellen Kommunikationsdesigners Lutz Lindemann (HIER) erste Schritte in Richtung der App getan wurden, folgte im September 2019 der Rückbesuch in Finnland. Wir fuhren mit 24 motivierten SchülerInnen mit dem Bus über Schweden bis nach Valkeakoski, einer kleinen Stadt im Süden Finnlands. Diese zweitägige Anfahrt nahmen wir gerne in Kauf, um in Finnland mobil zu sein und möglichst viel von dem Land sehen zu können.

Die intensive Arbeit an Marketing, Inhalt, Aufbau, Programmierung, Website und Veröffentlichung der App machte eine gute Kommunikation in englischer Sprache unverzichtbar. Ziel war es, die Länder Estland, Finnland und Deutschland in der App zu vergleichen und zu beschreiben, um gesammelte Informationen zu (in Zukunft) allen EU-Ländern geben zu können. Wir möchten hiermit Reisenden, Schülern und Lehrern eine Möglichkeit geben, mit einem einzigen Programm einen Überblick über alle EU-Länder zu haben. Lebens- und Arbeitsbedingungen bilden hierbei den Schwerpunkt.

Auf Instagram (HIER) und Facebook (HIER) haben wir jeden Schritt unserer Arbeit festgehalten. Auch im eTwinning-Programm der Europäischen Kommission (HIER), das Schulen aus Europa über das Internet miteinander vernetzt, haben wir unsere Ergebnisse veröffentlicht. Ebenso haben wir via „Prezi“ (HIER) eine Präsentation erstellt, die online einzusehen ist. Zwei Softwareprogramme halfen uns dabei, die Projektarbeit im Überblick zu behalten: mit „MindMeister“ (HIER) konnten wir zu Beginn unsere Gedanken als Mind-Map visualisieren. Mit der Projektmanagementsoftware „Trello“ (HIER) konnten wir zu jeder Zeit und an jedem Ort unsere Arbeiten teilen, einsehen und überblicken.

Neben langen Arbeitstagen im Plenum und in Kleingruppen haben wir uns auch selbst ein direktes Bild der finnischen Kultur machen können. Wir entdeckten traditionelles Gebäck, erfuhren etwas über die Vegetation des Landes und über die Eigenheiten der Finnen. Auf Grund der Temperaturen und des Wetters kann man nahezu überall eine Sauna finden, ganz anders als wir es aus Deutschland kennen. Wir ließen die Ruhe des Landes auf uns wirken und konnten mit der Zeit immer besser erkennen, was den Finnen und seine Kultur ausmacht. Die Weite des Landes spiegelt sich auch im Alltag und Wesen der Finnen wider: die Distanz, die an Bushaltestellen, im Aufzug und auf der Straße zu anderen Menschen eingehalten wird, ist deutlich größer, als wir es aus Deutschland kannten, und generell ist der Finne ein schweigsamer aber herzlicher Mensch.

Wir hatten die Möglichkeit, die Glasbläserei Iittala zu besichtigen, von der nach Erzählungen der Austauschpartner in jedem finnischen Haushalt mindestens ein Gegenstand in dem typisch finnischen Punkt-Design steht. Auch die Sportkultur lernten wir bei einem spannenden Eishockeyspiel kennen und schätzen. Verschiedene Museen, Ausflüge zur Universitätsstadt Tampere und ein Besuch des Parlaments in Helsinki füllten unsere Tage zusätzlich mit Erlebnissen und Bildern, die uns allen wohl noch sehr lange im Gedächtnis bleiben.

Von der Arbeit in englischer Fachsprache werde ich im beruflichen Alltag definitiv profitieren können. Ich denke, es hat mir einen sicheren Umgang mit der Sprache und eine gewisse Kommunikationsstärke gegeben, die ich anders nicht so schnell erlangt hätte. Es war ein schönes Gefühl, nach langer Arbeit endlich die YEUGO-App im Playstore (HIER) hochzuladen und die Website (HIER) online zu schalten. Ohne Zweifel habe ich Erfahrungen gemacht, die ich nicht eintauschen möchte. Selten hatte ich die Chance, eine andere Kultur so intensiv kennenzulernen und mich mit ihr auseinanderzusetzen.“


Einen Blick hinter die Kulissen ...

… wagten die angehenden Landwirte der Klassen LWM 3 und LWM 4: Sie besuchten gemeinsam mit ihren Lehrern Alexandra Vogel und Erwin Köster einen Vormittag lang die Redaktion der Zeitschrift Wochenblatt im Landwirtschaftsverlag in Münster-Hiltrup. …

Was ist ein Thema? Wie kommt ein Thema in die Zeitschrift? Und woher kommen die Themen eigentlich? Wie sieht der Tagesablauf der Redakteure aus? Und wie wird man eigentlich Redakteur*in beim Wochenblatt? – Das sind nur einige der Fragen, auf die die angehenden Landwirte ausführliche Antworten bekamen. Und das von gleich drei Wochenblatt-Machern: Chefredakteur Anselm Richter, Redakteur Patrick Otte, der die junge Rubrik „Startklar“ betreut sowie von Volontärin Annika Kracht.

Es wurde aber nicht nur gefragt, sondern auch intensiv diskutiert – über den Strukturwandel, Digitalisierung und über das Thema Frauen in der Landwirtschaft.

Das Resümee der Schüler*innen: Der Blick hinter die Kulissen hat sich gelohnt! Das herzliche Willkommen der Redaktion und die Offenheit, mit der die Redakteure über ihren Job gesprochen haben, haben die angehenden Landwirte beeindruckt. Und der ein oder andere hat seit dem Besuch sogar einen neuen Berufswunsch für die Zeit nach der Ausbildung: Redakteur beim Wochenblatt.

(A. Vogel)